Gedichte

Schüttelreime II

Erntehinweis

Du darfst nicht nur für deine Träume beten
Du wirst nicht durch Sehnsüchte froh.
Stattdessen musst du gegen Bäume treten
Denn du bekommst nur Früchte so.

Epitaph eines Drückebergers

Warum er für das Leben stritt? -
Weil er an eurem Streben litt!
Warum er nie dick schuftete? -
Weil viel zu viel schick duftete!
Warum er nun hier beigesetzt liegt? –
Weil Dummheit doch zu allerletzt siegt!

Schüttelreime I

Kopf hoch!

Du glaubst, dir geht es immer schlecht?
- Wurdst angekackt, die Möwe lacht.
Ich warne, es geht schlimmer. Echt!
Zum Beispiel wenn’s ein Löwe macht.

Gruppenzwang

Ob es wohl der Pudel rafft,
Dass er nur im Rudel pafft?
Doch wo ist der Sinn? – Ein
Pudel möchte „in“ sein“!

Anmerkung: Ein paar Schüttelreime, die ich mir in letzter Zeit notiert habe. Mal etwas „Leichtes“.

Die an der Kasse

Sie zieht die Ware übers Band:
„Fünf neunundneunzig bitte …“
Es geht mechanisch und rasant.
Wer merkte, wenn sie litte?

Sie zieht die Ware übers Band:
Der Reichtum der Gesellschaft
Geht jeden Tag durch ihre Hand,
Wobei er ihr kaum Geld schafft.

Sie zieht die Ware übers Band,
Die Qualität ist nichtig.
Es ist für sie der gleiche Tand -
Das Ziehen, das ist wichtig.

Sie zieht die Ware übers Band,
Das nennt sich dann „Verkäuferin“.
Gelegentlich empfängt sie Pfand
Von irgendeiner Säuferin.

Sie zieht die Ware übers Band:
Das scheinbar Triviale
Verpuppt im glänzenden Gewand
Das hinterrücks Brutale.

Sie zieht die Ware übers Band
Und monoton machts Piep.
Der Morsecode ist schnell erkannt:
„Gar niemand hat sich lieb.“

Sie zieht die Ware übers Band,
Ihr Blick stirbt beim Kassieren.
Vielleicht ein kleiner Widerstand,
Vielleicht ein Resignieren.

Sie zieht die Ware übers Band. (mehr…)

Ein süffisanter Jahresrückblick 2011

[wird überarbeitet]

Sonett von der Empfindsamkeit

Du, der durch lange Fiebernächte
Mit Wahnsinn und mit Zweifel ringt;
Dem krank und traurig nichts gelingt
Was Menschen Glück und Frieden brächte.

Der lieber heute noch als Morgen
Mit einem letzen Todesschuss,
Voll Pathos sich in Hochgenuss
Entledigt aller seiner Sorgen.

Lass ab von deinen Todesplänen,
Zu viele starben deren Leid
In Menschen hätte Licht entfacht.

Und weine tapfer deine Tränen.
Es lebe die Empfindsamkeit,
Die Menschen erst zu Menschen macht.
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