Archiv für Januar 2018

Dobrindts Thesen oder: Die allgemeine Unfähigkeit, die herrschende Verhältnisse zu begreifen

Jüngst hat der CSU-Politiker Alexander Dobrindt eine stets latente und immer wieder manifest werdende rechte Verschwörungsideologie hervorgekramt: eine nicht wirklichfassbare, aber dafür umso mächtigere „linke Minderheit“ habe sich in den letzten Jahrzehnten „Schlüsselpositionen gesichert“, sich selbst zu „Volkserziehern“ ernannt und mittels „lautstarke[r] Sprachrohre“ eine „linke Meinungsvorherrschaft“ errungen, durch die sie die „bürgerliche Mehrheit“ unterjochte. Dass dieser Text so geistlos wie sämtliche anderen Verschwörungsideologien ist, wurde hinlänglich aufgezeigt. Dobrindt kommt zu keiner Behauptung, die nicht auch schon von Männerrechtlern, Identitären, Neurechten, Altrechten oder schlicht Nazis vertreten wurde. Von linker Seite gibt es übrigens eine ebenso unreflektierte Antithese: Schuld am aktuellen Zustand der globalisierten Gesellschaft sei eine kleine neoliberale Minderheit. Diese auf beiden Seiten vorherrschenden Gedanken beweisen die durchaus zeitgemäße Unfähigkeit, eine Gesellschaftsanalyse auf der Höhe der Zeit zu formulieren. (mehr…)