Archiv für November 2015

Kritik des Pferdes

Ich gehe gerne mal bei Zeiten
auf einen Hof zum Ponyreiten.
Prompt wird sich zu dem Pferd bequemt,
Bewegung ist mir nun verfemt.
Ich throne stolz auf seinem Rücken
und lock‘ das Vieh mit Zuckerstücken.
Da sprech‘ ich klug zum dummen Gaul:
„Hier oben sitz’ ich träg‘ und faul,
genieße all das Pittoreske:
die Landschaft Kunst, der Himmel Freske.
Die Schönheit dieser Welt berührt
mich tief und du du wirst geführt:
Nach meinem Willen musst du trappen;
dein Blick verstellt durch Augenklappen.
Ich bin der Herr und du der Knecht.
Man zwang dich nieder, es ist Recht.“
Da dringt ein Schnaufen aus den Nüstern,
aus tiefer Stille kommt ein Flüstern:
„Es ist beachtlich“ sprach der Hengst
„was du, du Mensch, so lauthals denkst.
In euren kleinen Menschenköpfen
regiert die Kunst, doch herrscht das Schröpfen.
Jedoch, mein Herr, sei dir gewiss,
dass das noch nicht das Ende is‘.
Du hast mich nötig, denn ich trage
all deine Lasten ohne Frage.
So bleibst du schwach und ich werd‘ stark
und irgendwann schon kommt der Tag,
An welchem meine großen Mühen
in neuem Glanze werden blühen.
Dann werf ich dich von deinem Thron:
und galoppier befreit davon.“ (mehr…)