Archiv für Juli 2015

Der grauenhafte Blick ins Ich

I. Faszinosum
Wie merkwürdig es klingt,
dass du des Merkens würdig.
Und wie eigenartig,
dass du von eigener Art.
Darum
keines Reimes bedürftig.
Und meiner Unzulänglichkeit wegen.

II. Kommensurabilität
Die Macht des Tausches,
welche all jene verhärmte,
die ihm unterworfen,
aber doch willfährig
sich ihm andienen,
erhoffend sein Glanz
füllte, was er doch aushöhlte.
Bis da nichts mehr war
als leere Form
Furchtbares musste es sein
und furchtbar ist es noch immer.
A = B
asphaltierte die Straßen
Ins Menschenschlachthaus.
Seine Tore verkünden
was niemals mehr darf sein.

III. Midas
Das glitzernde Metall,
das farbige Papier:
die Allheit am Hosenbund
betrügt uns ewig
ums Versprochene.
Entbehrt doch jeder Erfüllung,
denn niemals wars ein Kindertraum.
An den Ufern des Paktolos
vergraben sich Füße.
Zaudernd,
in ihm zu treiben.
Gleichfalls ozeanisch.

IV. Insomnia
Goya irrte
Der Albdruck beharkt uns
im grausamen Wachen.
Der Nachtmahr grüßt
freundlichst am Jägerzaun
Und packt deine Tüten
Im Supermarkt.
Galant bespielt er
die Klaviatur der Vernunft:
Kein Misston trübt die Melodie.
Wo kein Schlaf,
da auch kein Traum.
Die Ruhe gebiert
das Hingebungsvolle,
dem doch nichts
als Fäulnis und Moder
innezuwohnen scheint.

V. Apotheose
Sei Göttin!
Der Verlorene findet
sich nur im Verlieren.
Sei Göttin!
Das Absolute
verspricht Absolution.
Sei…
aber lieb macht dich dein Fehler
wie Karl Kraus wusste.
Doch das Wort verging.

VI. Entelechie
Erinnerend
dem einstigen Glück
sich Gewahr werden.
Dem vermaledeiten Jetzt,
seiner schablonierten Lust,
den Dienst versagen:
Dem Entschlafenden
die Augen schließen.
Der irre Zwang vergeht
Mit der Scheu
vor der Sinnlosigkeit.
Lass schneien
die Schneekugel!
Was da einst Kulisse
und Requisite
atmet;
Der Figurant
entblättert sich.
Matrjoschkenhaft.
Was bleibt?
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