Stationen der Provinz. Ein Limerickzyklus

Bei Meiers in Mühlhausen,
herrscht Ordnung, kein Zerzausen!
Da trifft man sich
Ganz säuberlich
Am Abend zum Entlausen.

Ein alter Herr aus Banteln
War immerzu am Granteln.
Das brachte nichts
Und angesichts
Des’ wirft er nun mit Hanteln.

Ein Bauersmann aus Leine
Sucht’ eine Frau, doch keine
Ergab sich ihm
Drum wird intim
Er nun im Stall der Schweine.

Ein junger Mann aus Minden;
Gefragt was schön zu finden
Dort sei. Spontan
Rief er: „Die Bahn:
Man kann von dort verschwinden.“

Ein altes Paar aus Löhne
Hat circa zwanzig Söhne.
Wie kam’s dazu?
Ich gebe Ruh’…
Nicht, dass ich hier nur höhne.

Ein Lebemann in Haste
War dort nur kurz zu Gaste.
„Noch eine Nacht?“
Er hat gelacht
Als er den Kopf sich fasste.

Ein Mädchen aus Kirchlengern
Traf gerne sich mit Sängern.
Kurz nach dem Zweck
Warn sie schon weg,
Nicht ohne sie zu schwängern.

Ein Baum aus Ibbenbüren
Kann man zum Opfer küren
Er muss dort stehn
Und kann nicht gehen:
Er soll mein Mitleid spüren.

Nicht zu vergessen das obligatorische Autoritätszitat von Adorno: „Keinem Menschen ist es vorzuhalten, daß er vom Lande stammt, aber auch keiner dürfte daraus sich ein Verdienst machen und dabei beharren; wem die Emanzipation von der Provinz mißglückte, der steht zur Bildung exterrorial.“

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2 Antworten auf „Stationen der Provinz. Ein Limerickzyklus“


  1. 1 01. November 2013 um 0:23 Uhr

    joa ich kenn zumindest n Teil der STrecke recht gut :)
    mir fällt dazu die Story ein: in dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, stand eines schönen Tages ein Haus leer. Als eine Famiele, wo der Vater in Syrien geboren wurde, das Haus kaufen wollte, hat sich eine Nachbarschaftsvereinigung gefunden, gesammelt und das Haus selbst gekauft. Seitdem wohnt niemand mehr in dem Haus.

    und das Lied erfüllt meinen gute-gereimt-gute-Laune-Pegel

  2. 2 Morph 01. November 2013 um 9:29 Uhr

    Wie gut du geworden bist.

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