Treibgut

Gedichte schreibe ich ins Blaue,
Bestimmungslos irrn sie umher.
Wobei ich stets darauf vertraue,
Dass irgendwann sie irgendwer
Erhalten wird. Auf ihrem Wege
Durchqueren sie des Meeres Lauf,
Doch stoßen unumgänglich auf
Atolle, Ufer, Küsten, Stege.

Bevor der Wind sie auf die Reise
Entlässt, erbitt‘ ich kurze Ruh‘
Und flüstre ihnen schließlich leise
Noch meine Reisebotschaft zu:
„Ertrinkenden seid Rettungsringe
Und Hungerleidenden seid Tang.
Geht keinem Fischer in den Fang.
Gehabt euch wohl als Ankömmlinge.“

Ob Wellen schlagen oder Winde,
Ob Meersalz langsam auf sie wirkt,
Nichts spaltet ihre harte Rinde,
Die ihre zarten Seelen birgt.
Piratenschiffe, Ungeheuer,
Klabautermann und Fieberwahn.
Und noch so manches Seemannsgarn
Ergreift im Seegang oft das Steuer.

Bis sie nach mühevollem Treiben
Ans Ufer spülen mit der Gischt
Um dort solange zu verbleiben
Bis jemand sie vom Strande fischt.
Wie konnten sie zu ihm gelangen?
- Wer sehnsuchtsvoll am Strand verharrt,
Und hoffend in die Ferne starrt,
Wird meine Flaschenpost empfangen.

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1 Antwort auf „Treibgut“


  1. 1 Elchverleiher 06. August 2012 um 11:46 Uhr

    Es lobt & preist der Elchverleiher dieses kleine, feine Stück, das er gerade am Lyrikstrand auffischen durfte.

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