Gesellschaftstheorie mit Georg Kreisler

1. Vorwort
1.1 Zeitdiagnose
1.2 Leitfrage
1.3 Über den Autor

2. Das Erschrecken vor der Rückkehr des Verdrängten
2.1 Trügerische Idylle
2.2 Die Liebe bis zum Tod
2.3 Weg zur Arbeit

3. Kapital
3.1 Produktionssphäre
3.2 Zirkulationssphäre
3.3 Konsumtionssphäre

4. Staat
4.1 Staatsbeamte
4.2 Der repressive Staatsapparate
4.3 Staatsbevölkerung

5. Das politische System
5.1 Wahlsystem
5.2 Politiker
5.3 Gesetzgebung

6. Warum es bleibt, wie es ist
6.1 Gewohnheit
6.2 Feigheit
6.3 Duldsamkeit
6.4 Ignoranz
6.5 Schweigsamkeit

7. Was tun?
7.1 Der Bruch mit dem Bestehenden
7.2 Was, wenn alle das täten?
7.3 Kunst und Revolution

8. Nachwort

Anmerkung:
In Erinnerung an Georg Kreisler, gestorben im November 2011. Die meisten dieser Lieder sind in den 60er und 70er Jahren entstanden, also schon um die 40 Jahre alt und doch noch sehr aktuell. Natürlich sind einige Passagen kritikwürdig, weil Kreisler z.B. oft personalisiert. Trotzdem halte ich diese Lieder (wie sein Gesamtwerk) für äußerst hörenswert.
Magnus Klaue hat einen sehr schönen Artikel über Georg Kreisler verfasst.

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13 Antworten auf „Gesellschaftstheorie mit Georg Kreisler“


  1. 1 Rafi aus Wien 10. August 2012 um 13:56 Uhr

    Heyo!

    Danke für diesen Beitrag!
    Ich bin gerade in den Startlöchern meiner Diplomarbeit über Kreisler (und Gerhard Bronner) und kann alles praktische gebrauchen… und das deinige ist super!

    schönen Sommer

    Au revoirafi

  2. 2 Bernd Kuske 11. September 2012 um 20:19 Uhr

    Hallo, ich weiß zwar nicht, wer du genau bist, aber die usammenstellung ist klasse.

    Ich bin seit meinem 16. Lebensjahr ein Fan von Kreisler. Mittlerweile bin ich 55)
    Es gibt ein Lied, das mir all die Jahre von der Interpretation Kopfzerbrechen machte: Man soll uns nie mehr wieder.
    Ist das nun ein angedeuteter faschistischer Putsch? Aber die ganzen Symboliken mit Teneriffa, Osterhase, Schrottbaron bekomme ich nicht entschlüsselt.
    Kannst du weiterhelfen?

  3. 3 Emil 15. September 2012 um 10:58 Uhr

    Lieber Bernd,

    erstmal bitte ich dich um Verzeihung, weil ich so spät antworte. Aber früher war es mir nicht möglich. Und leider fällt meine Antwort auch dürftig aus: Das Lied ist wirklich schwierig zu deuten. Veröffentlich wurde es auf dem 1972 erschienen Album „Vorletzte Lieder“. „Teneriffa“ könnte deine Interpretation stützen: Schließlich startete „Franco von Teneriffa aus seinen Putsch gegen die Republik“ (Wikipedia: Teneriffa). Seine Herrschaft endete allerdings erst nach Erscheinen des Liedes, also 1975. Die anderen Bilder sind noch schwieriger zu deuten. Vielleicht sollte man sich aber auch von dem Gedanken trennen, in dem Lied eine ganz konkrete Aussage finden zu können. Kreisler hat vielleicht nur seine allgemeine Stimmung zu Zeiten des Kalten Krieges beschrieben, nachdem die Proteste der „68er“ im Ergebnis eher ernüchternd waren.
    Aber wenn dir dieses Lied Kopfzerbrechen bereitet, kannst du deine Frage ja mal im Kreisler Forum stellen: http://www.georgkreisler.net
    Ich bin mir sicher, dass es dort Menschen gibt, die sich besser mit seinem Werk auskennen und dir gegebenenfalls helfen können.

    Liebe Grüße,
    Emil

  4. 4 Johannes 22. Oktober 2012 um 19:19 Uhr

    Hallo,

    schön dass du genau meine Lieblingssongs ausgesucht hast. Die politischen bis politisch-subversiven/provokanten nämlich. Ich bin sehr froh dass es die Alben auf denen das alles drauf ist mittlerweile legal zum Download verfügbar sind. Mein Liebling ist das Album „Allein wie eine Mutterseele“. Da hätte man das Titellied auch gut in deinen Artikel unter Punkt 6 aufnehmen können.
    Gruß,

    Johannes

  5. 5 alkohol 27. November 2012 um 12:15 Uhr

    Zum Thema Personalisierung gibt es glaube ich ein Lied „Sie sind so mies“. Profiteure der Verhältnisse haben in der Regel keine Probleme mit Personalisierung gesellschaftlicher Probleme („Wer keine Arbeit hat, ist selber schuld.“) und naturalisierender Diskriminierung („Wenn man keinen lukrativen Job hat, liegt das daran, dass man eben minderwertig ist.“). Und der Unwille, sich Kritik durch den Kopf gehen zu lassen und der Wille, es gut zu finden wie es gerade ist, sind meistens auch nicht schwach ausgeprägt.

  6. 6 Emil 27. November 2012 um 20:06 Uhr

    Liebe_r alkohol,

    das Lied „Sie sind so mies“ kenne ich und habe es bewusst nicht ausgewählt, weil es – wie du schon schreibst – ganz arg gesellschaftliche Probleme personalisiert. Am Anfang singt Georg Kreisler:

    Warum können führende Menschen auf Erden
    nicht freundlicher, selbstloser, menschlicher werden?
    Ich hab’ drüber sehr lange nachgedacht
    und jetzt weiß ich die Lösung. Geben sie Acht:
    Diese führenden Menschen, die sind so mies
    […]“

    Georg Kreisler sagt also, dass die Miesen nicht anders können, weil sie eben mies sind. Er fragt aber an keiner Stelle, warum diese Menschen so mies sind (zwar räumt er ein, dass Onsassis nicht als Onassis gemacht wurde, aber er war auch als kleiner Geschäftsmann „vielleicht kein sehr feiner“ und erst als Großer konnte er nach Kreisler sein Miessein voll ausschöpfen) und erweckt eher den Eindruck, als läge es in ihrem Wesen und ihre miesen Taten beruhten einzig auf diesem.
    Du kannst Recht haben, wenn du schreibst, „Profiteure der Verhältnisse haben in der Regel keine Probleme mit Personalisierung gesellschaftlicher Probleme“. Nur weil die „Profiteure“ selbst zur Personalisierung neigen, ist das doch noch lange nicht richtig. Denn, wie Karl Marx schon im Vorwort zum Kapital schrieb, „sosehr er [der Kapitalist] sich auch subjektiv über sie [die Verhältnisse] erheben mag“, man könne nicht den „einzelnen verantwortlich machen für Verhältnisse, deren Geschöpf er sozial bleibt“. Die Kapitalisten mögen eine privilegierte Position innerhalb der Verhältnisse einnehmen und können sich vielleicht sogar mit dieser identifizieren; das ändert aber nichts daran, dass sie selbst nur Charaktermasken sind, also „Personifikation ökonomischer Kategorien“ (ebd.). Der Zweck der kapitalistischen Produktionsweise ist die Selbstverwertung des Wertes bzw. aus Geld mehr Geld zu machen und dazu braucht es sowohl Kapitalisten und Arbeiter. Die Vermehrung des Geldes kommt aber nicht den Kapitalisten zugute, sondern dient wieder nur zu erneuter Vermehrung. Robert Kurz hat in seinem Text „subjektlose Herrschaft“ gut herausgearbeitet, dass Herrschaftskritik oft utilitaristisch verkürzt wird, d.h. es wird angenommen, dass irgendwer von der Herrschaft profitieren muss. So zum Beispiel auch Georg Kreisler, wenn er fragt: „Warum ist der so mies? Was hat er davon?“ Anders aber als vorkapitalistische Herrschaft, ist kapitalistische Herrschaft nicht mehr subjektgebunden, sondern die Menschen werden, gerade weil sie persönlich unabhängig sind, „von Abstraktionen beherrscht, während sie früher voneinander abhingen“ (MEW 42: 97) Diese Abstraktionen seien „Ausdruck jener materiellen Verhältnisse, die Herr über sie sind“ (ebd.). Die Menschen werden damit von Realabstraktionen wie Wert oder abstrakter Arbeit beherrscht. Bei Bedarf kann ich das noch detaillierter ausführen.
    Dass die Menschen (sowohl Arbeiter als auch Kapitalisten) aber zur Personalisierung neigen, ist im aufklärerischen Denken begründet, welches das Subjekt ins Zentrum rückt: das sieht man zum Beispiel in Kants Erkenntnistheorie („die Gegenstände müssen sich nach unserem Erkenntnis richten“ [Vorrede zur Kritik der reinen Venunft]) oder in seinem Verständnis von Aufklärung (die Unmündigkeit sei durch „Faulheit und Feigheit“ „selbstverschuldet“). Im Kapitalismus leistet die Personalisierung der unpersönlichen Verhältnisse den Subjekten Entlastung; sie bringt scheinbare Ordnung in das objektiv Irrationale. Die kapitalistischen Subjekte projizieren somit Teile ihres Selbst, die nicht in der Verwertungslogik aufgehen, nach außen auf eine bestimmte Gruppe. So identifizierten die Antisemiten die Juden mit dem „raffenden Kapital“, welches im Gegensatz zum „schaffenden Kapital“ stände. Auf ähnliche Weise wird die Passivität an Frauen delegiert.
    Aber es gibt auch praktische Gründe, die Personalisierung zu kritisieren. Denn Klassenkampf, in dem stets die Bourgeoisie als „herrschende Klasse“ ausgemacht wurde und damit Herrschaft personalisiert wurde hat historisch niemals zu einer Überwindung des Kapitalverhältnisses geführt, sondern hatte immer eine innerkapitalistische Modernisierung zufolge. Die Proletarier sind nicht aufgrund ihrer Position als Arbeitende das revolutionäre Subjekt, weil die Arbeit selbst eine kapitalistische Kategorie ist. Emanzipation kann daher nicht heißen: Klasse gegen Klasse, sondern: gemeinsam gegen die fetischistischen Verhältnisse.
    In einem früheren Text habe ich dieses Problem schon einmal am Beispiel der Ausbeutung beim Wiesenhof-Konzern diskutiert.

  7. 7 SoSo 27. November 2012 um 22:00 Uhr

    Ist es denn richtig diese bedenktliche Seite von Kreisler auszublenden? Hätte nicht viel mehr die „Personalisierung“ ein eigenes Kapitel werden können. Es geht ja um Kreislers Gesellschaftstheorie und nicht um Emils.

  8. 8 Emil 27. November 2012 um 22:21 Uhr

    Ich blende die „bedenkliche Seite“ ja nicht aus, sondern hebe sie als „kritikwürdig“ hervor und erkenne sie somit kritisch an. Das Lied „Sie sind so mies“ ist nicht gesellschaftstheoretisch, da er dort das Miessein gewissermaßen essentialisiert und es eben nicht als gesellschaftlich geworden darstellt. Und gesellschaftskritisch ist es auch nicht, denn Kreisler kritisiert hier die Subjekte und wirft ihnen (indirekt) fehlende Moral vor, anstatt zu fragen, ob denn moralisches Handeln überhaupt möglich ist in einer Gesellschaft, in der den Menschen die Kontrolle über die gesellschaftlichen Bewegungen entglitten ist. Personalisierung gilt mir daher nicht als Methode einer Gesellschaftstheorie, sondern als ein Gegenstand, den sie zu kritisieren hat. Das aber macht Kreisler nicht.
    Ich weiß nicht, ob Kreisler von sich selbst gesagt hätte, er habe eine Gesellschaftstheorie. Ich vermute aber nicht. Daher liegt es an mir als sein Rezipient, die gesellschaftstheoretischen Momente herauszuschälen.

  9. 9 Karotte 05. August 2013 um 16:55 Uhr

    Hey Emil!

    Richtig richtig gut, einige der Lieder kannte ich bislang gar nicht, daher erstmal meinen persönlichen Dank. Aber auch darüber hinaus …deine Gliederung ist dir wirklich sehr gut gelungen!

    Weiter so und liebe Grüße an alte Kampfgenossen!

  10. 10 Ich 21. Mai 2014 um 18:50 Uhr

    Hallo,
    5.2 Feigheit ist leider offline. Welches Kreisler Stück war das denn?

  11. 11 Emil 21. Mai 2014 um 19:10 Uhr

    Hallo Ich,
    es war das Stück „Reden“. In den nächsten Tagen werde ich mal versuchen, den Link zu aktualisieren.

  12. 12 Patrick P. 15. April 2015 um 15:17 Uhr

    Sehr schöne Auflistung, danke hierfür, und danke auch fürs Hochladen auf YT! Bin ein relativ junger Mensch (24), der erst vor kurzem auf Georg Kreisler gestoßen ist. Sich mit etwas Struktur durch das Konvolut an Werken hören zu können, ist eine nette Hilfe. Ach wie gern hätte ich ihn doch noch live erlebt!

    Grüße aus Wien

  1. 1 Tourtagebuch (verspätet) « geigen zählen Pingback am 06. August 2013 um 1:45 Uhr

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