Mann in der Grube

Es sitzt ein Mann bedrückt
In einer kargen Grube.
Sie ist – es klingt verrückt –
Sein Heim und seine Stube.

Er sieht oft hoch hinauf
Zum Himmel und den Sternen
Doch käme er nie drauf
Sich jemals zu entfernen.

Gern flöh’ er in die Welt
Der großen Abenteuer.
Doch unten schützt und hält
Und wärmt ihn noch sein Feuer.

Die Flucht bleibt Utopie;
Er schürt das Feuer weiter,
Dafür verbrennt er sie,
Die Sprossen seiner Leiter.

Anmerkung:
Nach einem Bild von Pawel Kuczynski

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5 Antworten auf „Mann in der Grube“


  1. 1 Träger des Lichts 27. März 2011 um 3:53 Uhr

    Sehr schön, Emil. Liest sich sehr flüssig und ist gut pointiert. Auch das „noch“ in S3V4 ist gut gewählt, wirft es doch die Frage auf, was aus dem LI wird, wenn die Sprossen der Leiter verheizt sind. Dann ist das, was ihn geschützt und gehalten hat ebenso verwirkt wie die Chance aus der „Grube“ zu entkommen. Spannend. Gern gelesen.

  2. 2 Emil 27. März 2011 um 23:43 Uhr

    Hey Träger des Lichts,

    danke für deine Kritik! Das Lob geht natürlich auch an den Maler, der das Motiv erdacht hat. Ich kann seine Werke nur empfehlen. Viele sind einfach grandios.

    Liebe Grüße,
    Emil

  3. 3 Morph 28. März 2011 um 23:46 Uhr

    Auch ich find`s diesmal wieder sehr gelungen!

    Es (beides-Gedicht & Bild) wirft die viel zu selten gestellte Frage auf, warum viele Menschen lieber verdrängen und sich trotz keiner Sicherheitsgarantie eben jene Sicherheit zurechtkonstruieren – aus dem, was sie kennen oder haben und was sich nicht ändern darf –, anstatt den eigenen Horizont zu erweitern, allen Mut zusammenzukratzen und vielleicht jene Möglichkeiten zu entdecken, die das eigene Leben vielleicht doch viel, viel lebenswerter (zumindest aber spannender) machen würden.

    …und mit jeder Sprosse, die er verbrennt, fackelt da auch eine Chance auf mehr Leben(squalität) ab. Wenn er zum Schluss dann die komplette Leiter verheizt hat und das Feuer erlischt, wird er tot sein. Ohne jemals gewusst zu haben, wie sein Leben hätte auch sein können.

    Beste Grüße,

    Morph.

  4. 4 Morph 04. April 2011 um 22:52 Uhr

    Please klick my name! Please, please, please klick name!

    Ich habe endlich auch mal wieder ein Gedicht veröffentlicht, will ich dir damit sagen. Ob ich mich weiterentwickelt habe? Sind denn die Ursachen für meine Gedicht plötzlich andere? :p

  1. 1 Arbeitslosenzahl bald unter 3Mio? - Erwerbslosen Forum Deutschland (Forum) Pingback am 02. April 2011 um 13:17 Uhr

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