Der Betrogene

Er war sein Leben lang alleine,
Kein Seelchen war ihm hold.
Auch Freunde hatte er noch keine,
Weil niemand ihn gewollt.

Schon in der Schule Außenseiter,
Da jeder Mensch ihn mied.
Nicht besser ging sein Leben weiter,
das ihm nie Glück beschied.

Ein Frauenherzchen zu erringen,
Gelang ihm auch noch nie.
Und tat er ihnen Liebe bringen,
Dann lachten hämisch sie.

Nur kurze Zeit hat er verlegen
Im Traumberuf gejobbt.
Dann hatten ihn schon die Kollegen
Aus diesem Traum gemobbt.

Doch endlich, endlich gibt es einen,
Der ihm nun Briefe schreibt.
Und den es nicht nur mit gemeinen
Motiven zu ihm treibt.

Und dieses Menschen Interesse,
Das ist nicht von Belang.
Er kennt allein die Wohnadresse,
Dass reichte zum Empfang.

Egal ob lange weggezogen,
Ob das Zuhaus’ versifft,
Ob just zum Urlaub fort geflogen,
Er kommt, bis man sich trifft.

Und schellt es donnernd an der Pforte,
Empfängt er ihn sehr nett
Und wechselt mit ihm ein paar Worte,
Dem Mann der GEZ.

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3 Antworten auf „Der Betrogene“


  1. 1 Morph 08. Februar 2011 um 0:11 Uhr

    Hey, mal wieder etwas alltäglicher und voller Witz, aber dennoch so gut um den heißen Brei herumgedichtet, dass das Ende mich überrascht hat. :)

    Alles in allem gefällt es mir wie immer sehr gut, obwohl ich die erste Strophe nicht so gelungen finde, muss ich zugeben. ;)

    Ich hab auch mal wieder seit längerer Zeit gedichtet, was dich thematisch aber nicht überraschen wird. „Verwildern und basteln“ heißt das Gedicht, welches auf nur auf drei Strophen geschafft hat.

    Beste Grüße, Morph.

  2. 2 Emil 10. Februar 2011 um 18:32 Uhr

    Hey Morph,
    ich muss mich erst mal entschuldigen, dass ich so spät antworte, aber ich hatte ich den letzten Tagen enormen Prüfungsstress. Dass dir die erste Strophe ein wenig missfällt, kann ich in so fern nachvollziehen, dass der 2. Vers nicht recht zu dem lakonischen Ton passt und beim 4. Vers vermisst man auch das Hilfsverb. Die Kritik trifft also zu und ich werd sie mir zu Herzen nehmen.
    Dein Gedicht hatte ich übrigens schon gelesen. Meine Gedanken poste ich mal dort.

    Libertäre Grüße,
    emil

  3. 3 Träger des Lichts 18. Februar 2011 um 23:39 Uhr

    Hallo, Emil,

    sehr schön. Der Mann der GEZ kommt völlig überraschen, obgleich man nach den ersten verszeilen schon rätselt, mit was man überrascht werden wird. Schön die Spannung gehalten. Gefällt mir sehr gut. Die fünfte Strophe gefällt mir besonders.

    Viele Grüße
    der Lichtträger

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