Der kommende Anstand

Es grollt und rollt des Bürgers Wut
Durch sein gelobtes Ländchen.
Ihm fliegt vom spitzen Kopf der Hut,
drum fassen seine Händchen
Auch andre Händchen zum Protest;
Er hält sich für politisch.
Und schwingt er reden vom Podest,
Dann ist er wahrlich kri-
cherisch wie immer schon,
Doch nennt es selber Rebellion.

Und Nazis findet er mit Grund
Ganz doof, so muss er handeln.
Er malt daher die Stadt schön bunt,
Wenn Nazis sie durchwandeln.
Dann steht er sich die Füße platt
Mit seinen Bürgerkindern
Und will den Aufmarsch durch die Stadt
Mit aller Kraft ver-
Höhnen, denn die Polizei
Lässt unsern Bürger nicht vorbei.

Der Bürger steht oft hinterm Zaun
Und hinter Fensterschreiben.
Von dort ertönt ein freches Raunen
Zum Bagger: „Oben bleiben!“
Und wenn der Staat ihn niederzwingt,
Aufgrund der lauten Klagen,
Ist unser Bürger unbedingt
Darauf bedacht zu schl-
ichten, denn ein jeder Streit
Ist eine Ungemütlichkeit.

Der Bürger ist inzwischen ganz,
Ganz bös’ auf die dort oben.
Drum geht er tief an die Substanz,
Um sich dort auszutoben.
Den Staat, der ihm sein Recht eindämmt,
Dem er Tribute zollte,
bedroht er frech und ungekämmt
und lautstark mit Re-
formen, das er besser wird
Und neue Bürgerwut gebiert.

Anmerkung:
Oben bleiben, liebe Wutbürger_innen, ganz weit oben!

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7 Antworten auf „Der kommende Anstand“


  1. 1 wn030-mitmacher 24. Januar 2011 um 2:48 Uhr

    denn’s darf, oh je-
    mi her mi her mi herrmineh
    dies wahrlich doch nicht sein!
    wenn EU massenprotes-
    te säh,
    was wäre dann am rhein,
    was wäre an der isar, elbe
    und was, gott! an der spree?
    drum je mi her mi herr mi nee
    like massenproteste? weh!

    (mal wieder ein übliches tagespolitisches anhängsel
    mit nettem verweis auf
    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/34/34000/1.html )

  2. 2 earendil 24. Januar 2011 um 11:15 Uhr

    Gefällt mir. Wie noch einiges mehr in diesem Blog.

  3. 3 Morph 28. Januar 2011 um 18:53 Uhr

    Gefällt mir. (…)

    Mir gefällt das Gedicht auch sehr gut! :)

    @ wn030-mitmacher: Was soll das?! o.O Das soll nicht ernsthaft an Emils Gedicht anknüpfen, oder?

  4. 4 Lisa 02. Februar 2011 um 11:10 Uhr

    Das Gedicht gefällt mir auch sehr gut, sehr intelligent. Großes Lob!

  5. 5 an morph 08. Juni 2011 um 16:17 Uhr

    hi morph.
    laut unserer linkseite schon: http://wikinews030.wordpress.com/lyrik/

    gibt es irgendein problem? schluckauf bei linken massenprotesten? bitte genauer.

  6. 6 Morph 08. Juni 2011 um 19:59 Uhr

    Sorry, aber mir gefällt das Antwortgedicht nicht und die Art, wie es gedehnt wird. Aber das ist nicht wirklich ein Problem und ich weiß auch nicht, warum ich da so angepisst drauf reagiert habe, denn soooo schlimm ist es nun auch nicht…

    linke“ massenproteste steht da oben nicht. ;)

    Was soll das Gedicht denn aussagen? Ich habe da meine Vermutungen, aber ich will mich nicht lächerlich machen.

  7. 7 an morph 11. Juni 2011 um 23:51 Uhr

    du meint, was das „tagespolitische anhängsel“ aussagen will? ;-) sagen wir, stellen wir uns einfach mal vor, wir lebten in zeiten, in denen das netz noch halbwegs begehbar war (also quasi heute) und die menschen wären in der lage, statt der vorgeformten täglichen agenda-nachrichten sich selbst per klickauswahl zu informieren, selber auszusuchen, was sie so an nachrichten lesen, wiederlesen oder auffrischen wollen, was sie so interessiert. jenseits der agendas. also quasi fast so, wie es jetzt ist. wenn wir uns dann einen nachrichtensprecher vorstellen, der einen medienbeitrag ankündigt (den man halt nicht in der glotze anguckt, sondern liest, siehe link li-n-k-e massenproteste ;) – dann könnten wir weitergehen und uns den nachrichtensprecher vorstellen, wie er gelangweilt vom news-sprech sich abwendet und beginnt… (burn-out-syndrom, aber ein gepflegter) einen newsbeitrag in versen vorzutragen.

    zum beispiel ein…

    tagespolitisches anhängsel ;] ich les den beitrag zu dem massenproteste-schreck immer wieder gerne. wie ja auch ein refresh zu kairo sicher auch in 10 jahren noch spaß machen können wird. vielelicht. wenn wir dann das netz noch haben.

    dann wäre diese seite – rein medienrezeptiv – quasi für einen leser eine kultursendung mit …tagespolitischem lyrischem anhängsel (in versen), der zur nachrichtensendung über EU-massenproteste überleitet.

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