Romantische Szene bei fröstelnder Mondnacht

Er:
Herzliebchen, deines Haares edler Schimmer
Gebiert in mir die wilde Leidenschaft
Dein Herz wie heute und so auch für immer
Zu schmeicheln mit der meinen Liebe Kraft.
Noch lieber sterben als dich jemals missen,
Ich schwöre, ist mein einziges Begehr.
Und deine Seele mit zehntausend Küssen
Zu übersähen, nichts wünsche ich mehr.
Der Wunsch nach dir bezirzte lang als Reigen
mein aller sehnsuchtsvolles Schwergemüt …

Sie:
Ach Liebster, m…

Er:
Mögen wir zusammen schweigen
Und lauschen wie die Liebe in uns blüht.
Nur deinen Atem sanft auf Haut zu spüren
Lässt jeden Sinn, je einen Purzelbaum
Und sieben Pirouetten stolz ausführen
Und wiegt mein Herz in Paradieses Traum.
Und eben wie der Sprache es an Worten
Ermangelt, so bedarf’s der Welt noch heut‘
Ein Platz, weit fern von allen andren Orten
Für Liebende der heißen Zärtlichkeit.
Ich ahne, dass zu unserem Verstecke
Die Liebe tapfer uns geleiten wird.

Sie:
Ach Schatz?

Er:
O, Ja?

Sie:
Mich friert’s. Hast du die Decke?

Er:
Ob ich die Decke hab‘, da es dich friert?
Gewiss, doch wärmen will ich dich mit Liebe!
Nur meine Sehnsucht möge deinen Leib
Bekleiden. Ja, ich gleiche einem Diebe,
Der frech das Herzchen stahl von seinem Weib.
Komm näher Kind, in meine starken Arme,
Ich nähre dich an meiner blanken Brust.
Und spende trostvoll dir das sehnlichst’ Warme,
Das um der Liebe willen du entbehren musst.

Sie sinkt die Schulter herab in seine Arme

Denn deine kalten Hände zu umfassen
Bereitet mir in Ewigkeit schier Glück.
Du wirst von meinen nimmer wieder lassen,
Aus meinem Herzen gibt es kein zurück.
Ein Kuss war immerzu des Schicksals Wende
Und deine blauen Lippen küss‘ ich mild.
Der Schlaf nahm dich, welch‘ malerisches Bild …

Sie tot. Er ab.
Der Vorhang zu.
Und Ende.

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2 Antworten auf „Romantische Szene bei fröstelnder Mondnacht“


  1. 1 Träger des Lichts 18. Januar 2011 um 19:15 Uhr

    Sehr schön. Nicht nur solide gedichtet, sondern auch eine sehr schöne Satire auf die Weltentrücktheit, die manch lyrisches Werben mit sich bringen mag. Gern gelesen.

    Es grüßt der LT

  2. 2 Emil 18. Januar 2011 um 20:41 Uhr

    Hey,

    danke! Ja, diese romantische Weltverklärung (nicht nur in der Dichtung) ist mir wirklich zuwider.
    „Nichts ist fantasievoller als die Sachlichkeit.“ (Kisch)

    Liebe Grüße,
    Emil

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