Von großen und kleinen Männern

Prolog
Der große Alexander war
Ein Feldherr ohnegleichen.
Kein Herrscher, kein Despot, kein Zar
Konnt‘ ihm das Wasser reichen.
Ob Palästina, Persien,
Ägypten; was auch immer.
Es unterjochte alle, denn
Er war ein wirklich Schlimmer.
Zwei kleine Männer konnte er
Trotz alledem nicht schaffen.
Sie schlugen zu und trafen schwer
Mit Worten statt mit Waffen.

Akt 1
Denn einmal ging ihm ein Pirat
Ins Netz und Alex fragte,
Warum er so viel Unrecht tat.
Worauf der Räuber sagte:
„Wenn ich in meinem kleinen Boot
Das Meer gefährlich mache,
Dann wünscht ihr mir den schnellen Tod
Und schimpft es Räubersache.
Doch wenn der feine Herr die Welt
Bedrängt mit seiner Flotte,
Dann wird er ohne Scham ein Held,
Statt Schuft auf dem Schafotte.“

Akt 2
Als Alexander durch Athen
Einst schritt, traf er auf jenes
Geschöpf, das wo die Leute gehn
Verweilt: Herrn Diogenes.
Da fühlte er sich göttergleich
Mit seinem Luxusleben.
Der Mann dort arm, er selber reich,
Drum wollt‘ er ihm was geben.
„Was wünschst du dir“, das fragte er
Den Herrn in seiner Tonne.
Darauf erwiderte ihm der:
„Ach, geh mir aus der Sonne.“

Epilog
Sie kränkten ihn als gar nicht klug,
Die beiden kleinen Männer.
Und wär’ das nicht schon schlimm genug:
Ein Räuber und ein Penner.
Da dachte Alex: „Jetzt ist Schluss!“
Und wollte Denker werden.
Doch dieser Kampf glich Sisyphus
Und allem Pech auf Erden.
So ist er letzten Endes dann
Kein Philosoph geworden.
Und machte weiter, was er kann:
Erobern, plündern, morden.

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2 Antworten auf „Von großen und kleinen Männern“


  1. 1 Morph 16. Dezember 2010 um 20:07 Uhr

    Wie immer, sehr schön und intelligent geschrieben. :)

  2. 2 Emil 17. Dezember 2010 um 2:02 Uhr

    Danke. :-)

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