Archiv für Dezember 2010

Dagegen aus Prinzip – Zwischenfazit

Gestern vor genau zwei Jahren habe ich mein Blogprojekt „Halbstark“ begonnen. Passend zur Jahreszeit möchte ich deswegen ein wenig melancholisch zurückschauen, über meine Beiträge philosophieren, Inspirationen erklären und das ein oder andere Gedicht, was meines Erachtens zu unrecht unbeachtet blieb, wieder hervorrufen. Das soll keinesfalls ein Abschlussbeitrag werden. Halbstark wird natürlich weitergehen und ich werde auch einen kleinen Blick in eine potenzielle Zukunft werfen. Auf einer DVD hieße dieser Beitrag wahrscheinlich „Bonusmaterial“. Dementsprechend gibt’s auch ein paar Outtakes, also Gedichte die es nicht ins Blog geschafft haben. (mehr…)

Von großen und kleinen Männern

Prolog
Der große Alexander war
Ein Feldherr ohnegleichen.
Kein Herrscher, kein Despot, kein Zar
Konnt‘ ihm das Wasser reichen.
Ob Palästina, Persien,
Ägypten; was auch immer.
Es unterjochte alle, denn
Er war ein wirklich Schlimmer.
Zwei kleine Männer konnte er
Trotz alledem nicht schaffen.
Sie schlugen zu und trafen schwer
Mit Worten statt mit Waffen.

Akt 1
Denn einmal ging ihm ein Pirat
Ins Netz und Alex fragte,
Warum er so viel Unrecht tat.
Worauf der Räuber sagte:
„Wenn ich in meinem kleinen Boot
Das Meer gefährlich mache,
Dann wünscht ihr mir den schnellen Tod
Und schimpft es Räubersache.
Doch wenn der feine Herr die Welt
Bedrängt mit seiner Flotte,
Dann wird er ohne Scham ein Held,
Statt Schuft auf dem Schafotte.“

Akt 2
Als Alexander durch Athen
Einst schritt, traf er auf jenes
Geschöpf, das wo die Leute gehn
Verweilt: Herrn Diogenes.
Da fühlte er sich göttergleich
Mit seinem Luxusleben.
Der Mann dort arm, er selber reich,
Drum wollt‘ er ihm was geben.
„Was wünschst du dir“, das fragte er
Den Herrn in seiner Tonne.
Darauf erwiderte ihm der:
„Ach, geh mir aus der Sonne.“

Epilog
Sie kränkten ihn als gar nicht klug,
Die beiden kleinen Männer.
Und wär’ das nicht schon schlimm genug:
Ein Räuber und ein Penner.
Da dachte Alex: „Jetzt ist Schluss!“
Und wollte Denker werden.
Doch dieser Kampf glich Sisyphus
Und allem Pech auf Erden.
So ist er letzten Endes dann
Kein Philosoph geworden.
Und machte weiter, was er kann:
Erobern, plündern, morden.

Dialektik der Uninformiertheit

Die Wahrheit hat zwei große Makel:
Zuerst macht sie sich unbeliebt;
Entlarvt Gewohnheit als Debakel,
Was (Zweitens) uns ganz arg betrübt.

Deswegen bleiben wir den Chören
Der Lügner auch nicht selten fern.
Und jagen ewig ferne Möhren,
Denn Esel sind wir allzu gern.

Anmerkung:
Eigentlich „nur“ ein Antwortgedicht auf dieses Werk, aber es gefällt mir so gut, dass ich es schade fände, wenn es im Kommentarbereich versteckt bliebe.

Grenzen der Aufklärung

Kind, jetzt musst du tapfer sein,
Alt bist du dies Jahr genug.
Schluss mit Illusion und Schein,
Götzenbild und Priestertrug.

Dein Geschenk bringt kein vergreister
Mann mit Bart, der nichts vergisst.
Nein, mein Kind, es überweist der
Mann, der dein Erzeuger ist.

Du hast nichts von Jesu Liebe,
Da hilft auch kein Kirchenchor.
Doch sei deshalb gar nicht trübe.
Dafür liebt dich der Pastor.

Hüte dich vor Orthodoxen,
Denn bedenke, dass ihr Gott
Nur ein Wahn ist von Hornochsen
Und dem Leben purer Spott.

Nach dem Tod was zu erwarten
Ist naiv; dem Unrat gleich
landen wir im adäquaten
Erd- anstatt im Himmelreich.

Merk‘ dir dies von Kindesbeinen
An, falls du das Haus verlässt. -
Ach, mein Kind, was musst du weinen,
Es ist doch ein frohes Fest?

Anmerkung: Dieses Gedicht anstelle der Süßigkeit in den Nikolausstiefel packen!