Wissen macht A!

[wird überarbeitet]

Anmerkung:
Wer weiterlesen möchte: Einen hervorragenden Gesamtüberblick bietet das Buch „Anarchie“ von Horst Stowasser. Hier kann man es unter dem Namen „Freiheit Pur“ kostenlos herunterladen.

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4 Antworten auf „Wissen macht A!“


  1. 1 David 29. November 2010 um 23:54 Uhr

    Schöner Artikel.
    Ich stimme dir trotzdem nicht zu. Wenn in einer Anarchie Entscheidungen auf Konsens beruhen, müssen alle den Konsens wollen. Was ist denn wenn ich einfach nicht möchte, dass in der Gemeinschaft gegendert geschrieben wird? Dann halte ich doch die Gemeinschaft auf. Wenn ich nicht zustimme, weil ich die Entscheidung nicht einsehe müssen doch alle mit einer nicht Entscheidung und dem Status Quo leben. Das ist doch bescheuert. Wenn das bei mehreren Fragen so ist, bewegt sich die Gemeinschaft doch kein Stückchen weiter sondern harrt an ihrer Stelle aus. Da sind Mehrheitsbeschlüsse auf Grundlage vorher festgesetzer Regeln (aka Verfassung) doch irgendwie praktischer auch wenn dann Herrschaft ausgeübt wird. Wobei ich eh der Meinung bin, dass Herrschaft zum Menschen gehört genauso wie unterschiedliche Geschlechterrollen mal zum Menschen gehört haben (es kann mir keiner erzählen in der Steinzeit, hätte sich irgend jemand an den Geschlechterrollen groß gestört) – was heutzutage natürlich durchbrochen werden sollte.

    Aber ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es auf Dauer funktioniert wenn alle immer zustimmen müssen.

  2. 2 Emil 30. November 2010 um 18:50 Uhr

    Hey David,

    danke für deinen kritischen Kommentar.
    Ich hab grad wenig Zeit, werde dir aber in den nächsten Tag hier ausführlich antworten.

  3. 3 Emil 02. Dezember 2010 um 16:52 Uhr

    Hey,
    so jetzt versuche ich dir zu antworten:
    Wenn du davon ausgehst, dass Herrschaft zum Menschen gehört, dann haben wir beide schon eine konträre Grundlage auf der wir argumentieren. Deshalb Frage ich dich, wie du auf die Idee kommst, dass Herrschaft zum Menschen gehört? Glaubst du, Herrschaft läge in der Natur (des Menschen)? Das meine ich in meinem Text widerlegt zu haben, indem ich zeigte, dass Herrschaft ein kulturelles Produkt ist. Selbst Hobbes sah Herrschaft als was kulturelles an, weil in seinem Naturzustand Kategorien wie Herrschaft oder Knechtschaft einfach anachronistisch wären. Widersprichst du mir da also? Vielleicht hatte Herrschaft ja sogar eine kulturelle Notwendigkeit in der Geschichte, denn wie wir von der „Dialektik der Aufklärung“ wissen, geht Naturbeherrschung stets mit Menschenbeherrschung einher. Aber wir können aus dieser Teufelsspirale austreten, grade im einem Zeitalter des enormen technischen Fortschritts, wo nicht jede Naturgewalt direkt an unserer Existenz nagt.
    Und selbst wenn es so wäre, dass Herrschaft naturgegeben wäre, dann hieße das nicht 1. das sie gut sei und 2. das sie unabänderlich sei.
    Zum 2. Problem: Du stellst das „Gendern“ dar, als wäre es eine Geschmacks- oder Meinungsfrage, ob man das macht oder nicht. Das ist es aber nicht. Gendern erhält seine Notwendigkeit aus der Annahme, dass die (deutsche) Sprache massiv patriarchale Herrschaftsverhältnisse reproduziert. Und Herrschaft ist Mist. Ich lehne jede Form von Wahrheitsrelativismus ab und bin davon überzeugt, dass es eine Wahrheit gibt und die gilt es im herrschaftsfreien Diskurs zu finden. Und wenn sich als Wahrheit herausstellen würde, dass die oben genannte Annahme zutrifft, dann wäre es doch für jeden Menschen der richtige Weg diese Herrschaft zu beseitigen.
    Ich kann dir soweit zustimmen, dass die bisherigen Formen den Genderns allesamt nicht optimal sind, egal ob Unterstrich, Binnen I oder sonst was. Aber das Gendern unterlassen ist eben auch keine gute Reaktion.
    Ein Totschlagargument gegen das Gendern speziell und antisexistische Bestrebungen allgemein ist das generische Maskulinum, also das eine männliche Pluralform weibliche Menschen einschließen soll. Gesetzt den Fall es träfe sogar zu, bleibt die Tatsache das Frauen zwar grammatisch anwesend sind phonetisch aber nicht, denn wie unterscheidet man eine männliche Pluralform, die auch Frauen meint, von einer, die keine Frauen meint.
    Außerdem ist auch der strenge Dualismus innerhalb der deutschen Sprache ein großes Problem: Es gibt mehr als 2 Geschlechter. Durch den Unterstrich (z.B. Student_innen) wird versucht deutlich zu machen, das es auch Formen zwischen den beiden Polen gibt. Beispiele wären intersexuelle Menschen, die also phänotypisch oder genotypisch nicht einer der beiden Geschlechtskategorien zuzuordnen sind. Diesen werden in Deutschland häufig ohne Einstimmung umoperiert, eher verstümmelt, damit M oder W in der Geburtsurkunde angekreuzt werden kann. Das ist enorme Gewalt und Herrschaft. Aber da es eine Minderheit betrifft, ist es ja demokratisch legitimiert. Dass viele von diesen als Kind zwangsoperierten Menschen später stark darunter leiden, weil sie zum falschen Geschlecht umoperiert wurden oder einfach so bleiben wollten wie sie waren, ist der Mehrheit egal.
    Aber es geht auch anders. Einige indianische Stämme unterscheiden zwischen 5 Geschlechtern: Hetreo Männer bzw. Frauen, Schwule, Lesben und Hermaphroditen. Das erscheint natürlich in diesem Land, in dem noch 1994 Menschen aufgrund ihrer Homosexualität nach dem Paragraphen 175 des Strafgesetzbuches verurteilt wurden befremdlich. Andere Beispiele wären Pakistan bzw. Indien: Dort ist seit einigen Monaten ein drittes Geschlecht offiziell anerkannt. Zwar erscheint die Bezeichnung „Others“ auch nicht unprolematisch, ist jedoch ein deutlicher Fortschritt gegenüber dem deutschen Recht.
    Ich glaube in der Steinzeit hatten die Menschen auch andere Probleme als Geschlechterrollen und vielleicht war dort eine Arbeitsteilung nach Geschlecht auch ganz nützlich. Heute haben wir aber andere Verhältnisse, sodass es Quatsch ist, irgendwelche steinalten Verhältnisse auf die Gegenwart zu projizieren.
    Deine Kritik an dem Konsensentscheid ist natürlich berechtigt. Wie ich schon im Text eingeräumt habe, ist es schwierig einen solchen zu erreichen. Aber ist erst einmal einer gefunden, ziehen alle Menschen an einem Strang. Mehrheitsentscheide können bedeuten, dass oft fast die Hälfte der Menschen ausgeschlossen wird. Und warum sind 50,1% schlauer als 49,9%? Solche minimalen Differenzen gibt es aber oft. Konsens fördert vor allem Empathie: Wir müssen uns in den anderen Menschen hineinversetzen und seine Motivation und seine Gefühle nachvollziehen können. Die Entscheidungen finden also viel bewusster statt und es wird nicht nur der knappen Mehrheit hinterher gejagt. Zudem reicht es ja auch oft, dass man eine Entscheidung akzeptiert, ohne das man sie glühend vertritt. Zur Not akzeptiert man diese Entscheidung und macht es selbst anders im gewählten Umkreis. Wenn du beispielsweise viele Freundinnen und Freunde hast, die auch bewusst (!) gegen das Gendern entschieden haben, dann könnt ihr das untereinander doch gerne so handhaben, aber ihr solltet die Empathie aufweisen, einem Menschen der eurer Entscheidung nicht zugestimmt hat, erst einmal herrschaftsfrei zu entgegnen.
    Ich hab jetzt ne Menge geschrieben und es kann durchaus sein, dass ich einen Punkt von dir nicht behandelt habe. Aber ich werde noch einen 2. Teil zu „Wissen macht A!“ schreiben, indem ich auf konkretere Sachen eingehen möchte. Anregungen sind also sehr willkommen!

  4. 4 Netsrik 19. Januar 2011 um 1:31 Uhr

    Ich hab die Rückseite dieses schönen Streitblatts in meinem neuen kleinen Zimmer an die Wand gehängt.
    Ich habe es noch nicht geschafft die Antwort komplett zu lesen.
    Für mich ist es eine – wenn auch sehr erstrebenswerte- Utopie, die viel Vorrausarbeit benötigt. Trotzdem strebe ich sie an, auch wenn ich nicht glauben kann, dass ich sie in meinem Leben noch erleben kann, oder wenn nur in kleinem Stile.
    Die Vollendung dieses Weges muss ich nicht erleben, es genügt mir der Weg.
    Mir fällt natürlich noch viel mehr zu diesem Thema ein, aber die Zeit ist knapp.

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