Ode an den Staat

Vor gut dreihundert Jahren noch
Befahlen nur die Fürsten.
Und wer nicht herrschte kam ins Joch,
Zu darben und zu dürsten.
Was kam deshalb dem armen Knecht
Und ebenso dem Bürger recht
Und traf den Adel hart?
Der Staat, der Staat, der Staat!

Drum schrie man laut „Revolution“
Und „Freiheit, Gleichheit allen“
Doch dann ist auch der Bürger schon
Dem Knecht ins Kreuz gefallen.
Was baute dann das Bürgertum
Um Material und Land herum,
Was den Proleten narrt?
Den Staat, den Staat, den Staat!

Jetzt waren die Proleten frei
Vom Joch und jedem Mittel
Der Produktion. Und Räuberei
Verhinderten die Büttel.
Was sichert diesen Status Quo
Und ist und bleibt beharrlich so
Des Bürgers Advokat?
Der Staat, der Staat, der Staat!

Das fanden Manche gar nicht fein
Und wollten es verändern.
So gründeten sie Volkspartei’n
In aller Herren Ländern
Wen rief zur Hilfe in der Not
Für Kinderwurst auf Butterbrot
Der Sozialdemokrat?
Den Staat, den Staat, den Staat!

Die Zeit verging und vieles schwand
Und Neues kam zu Tage
Nur einer blieb gefeit konstant
In jeder Lebenslage.
Was liebt ein jeder Sozialist
Wie gleichermaßen der Faschist
Und jeder Demokrat?
Den Staat, den Staat, den Staat!

Er lastet auf uns wie ein Alb
Verstorbener Geschlechter.
Ein Fetisch, Götze, goldnes Kalb
Ein wahrer Menschenächter.
Was plagt uns seit geraumer Zeit,
Relikt aus der Vergangenheit,
In unser Gegenwart?
Der Staat, der Staat, der Staat!

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3 Antworten auf „Ode an den Staat“


  1. 1 Juli 08. Oktober 2010 um 17:42 Uhr

    WOW!!! Gelesen, gelächelt und für gut befunden!! Ab in die Blogroll mit dir :)

    Jetzt habe ich einen Ohrwurm von der Internatio… äh, der Antinationalen ;)

    Lieben Gruß,
    Juli

  2. 2 russian_woodpecker 12. Oktober 2010 um 11:47 Uhr

    Also ich bin ja kein großer Lyrikfan, aber hier mußte ich doch wirklich grinsen. Gefällt mir :)

  3. 3 Emil 13. Oktober 2010 um 1:40 Uhr

    Ich danke euch beiden für die Kommentare!
    @russian_woodpecker: Das freut mich sehr, dass es dir gefällt. Gerade weil du kein großer Lyrikfan bist. Denn es ist mein Zie Lyrik populärer zu machen, indem ich auch auch Menschen erreiche, die sonst wenig mit Gedichten anfangen können.

    Liebe Grüße,
    Emil

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