Archiv für Oktober 2010

Trinkspruch für Melancholiker

Aus der Trunkenheit entquillen
Fröhlichkeit und Lustgewinn.
Doch kein Wein vermag zu stillen
Meinen Durst nach Lebenssinn.

Gespielte Gedichte

Neben der Lyrik gehören Computerspiele zu meinen Leidenschaften. Bisher dachte ich, dass diese beiden kulturellen Pole schwer zusammen kommen. Doch gestern stieß ich auf „Today I die“, eine wirklich verzückende Verquickung beider. Da es mit Worten kaum zu beschreiben ist, solltet ihr euch die Zeit nehmen, dieses Minispiel selbst zu spielen. Es lohnt sich!

Sonett vom Schauer

Wer meine Tränen sorgsam liest
Vor allem auch die ungeweinten
In Zeiten, wo sie sich vereinten
Mit Regen, der beständig gießt.

Wo Freundlichkeit komplett zerfließt
Von denen, die sich gütig meinten;
Gefühle sich längst selbst verneinten
Und das System zum Ganzen schließt.

Da kommt zusammen, ihr die lang
Mit Menschlichkeit hausieren geht
Vereint euch, seid die ersten.

Die Zeit ist reif und seid nicht bang.
Mit jener Kraft, die dann entsteht
Lasst das System zerbersten.

Mit „Dem Deutschen Volke“ gegen „Kopftuchmädchen“ und „Kinderschänder“

Dass die Bildzeitung eine Affinität zu völkischem Gedankengut zu besitzen scheint, hat sie in ihrer beeindruckenden Werbekampagne für Thilo Sarrazin (Autor von „Deutschland schafft sich ab“) und seine obskuren Thesen („Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen“ oder türkische Migrant_innen, die mit „ständig neue[n] kleine[n] Kopftuchmädchen“ Deutschland eroberten) unter Beweis gestellt. (mehr…)

Ode an den Staat

Vor gut dreihundert Jahren noch
Befahlen nur die Fürsten.
Und wer nicht herrschte kam ins Joch,
Zu darben und zu dürsten.
Was kam deshalb dem armen Knecht
Und ebenso dem Bürger recht
Und traf den Adel hart?
Der Staat, der Staat, der Staat!

Drum schrie man laut „Revolution“
Und „Freiheit, Gleichheit allen“
Doch dann ist auch der Bürger schon
Dem Knecht ins Kreuz gefallen.
Was baute dann das Bürgertum
Um Material und Land herum,
Was den Proleten narrt?
Den Staat, den Staat, den Staat!

Jetzt waren die Proleten frei
Vom Joch und jedem Mittel
Der Produktion. Und Räuberei
Verhinderten die Büttel.
Was sichert diesen Status Quo
Und ist und bleibt beharrlich so
Des Bürgers Advokat?
Der Staat, der Staat, der Staat!

Das fanden Manche gar nicht fein
Und wollten es verändern.
So gründeten sie Volkspartei’n
In aller Herren Ländern
Wen rief zur Hilfe in der Not
Für Kinderwurst auf Butterbrot
Der Sozialdemokrat?
Den Staat, den Staat, den Staat!

Die Zeit verging und vieles schwand
Und Neues kam zu Tage
Nur einer blieb gefeit konstant
In jeder Lebenslage.
Was liebt ein jeder Sozialist
Wie gleichermaßen der Faschist
Und jeder Demokrat?
Den Staat, den Staat, den Staat!

Er lastet auf uns wie ein Alb
Verstorbener Geschlechter.
Ein Fetisch, Götze, goldnes Kalb
Ein wahrer Menschenächter.
Was plagt uns seit geraumer Zeit,
Relikt aus der Vergangenheit,
In unser Gegenwart?
Der Staat, der Staat, der Staat!