Kritik der Kuh

Auf einer grünen Weide lagen
Zwei Kühe ohne was zu sagen.
Sie kauten auf dem Gras herum
Und wirkten gar ein wenig dumm.
Ich sah sie Halme wiederkäuen;
Und wie sie sich darüber freuen.
Wie öde doch das Leben ist,
Wenn man den ganzen Tag nur frisst.
Ich stellte mich an die Umzäunung
Und sah der Kühe kecke Bräunung.
Die kommt nicht von dem Sonnenbad,
Weil Kuh sie von Natur aus hat.
Ich rief: „Warum ist eure Färbung
Nicht lila, so wie in der Werbung.
Dann wärt ihr nicht so monoton,
Wie all die andren Wesen schon.“
Da wandte sich mit großer Mühe
Der Kopf von einer dieser Kühe
Zu mir – entspannt, weil grad erst wach –
Und öffnete das Maul und sprach:
„Vertraue nicht der ganzen Scheiße
Der Industrie: Nie gab’s Beweise,
Dass Kühe jemals lila sind.
Das weiß doch wirklich jedes Kind.“
Ich reagierte: „Das zu glauben,
Das kann ich mir doch nicht erlauben.
Und außerdem kommt der Bericht
Von einer Kuh, die auch noch spricht.
Man wird mich für verrückt erklären
Und mir dadurch das Wort verwehren
Und letztlich glaubt mir eh kein Schwein…“
- „Doch! Schweine können gläubig sein.“

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7 Antworten auf „Kritik der Kuh“


  1. 1 Rudolf Homann 22. Juli 2010 um 10:38 Uhr

    Frau Urschel teilte Freud und Leid
    Mit ihrer lieben Kuh;
    Sie lebten in Herzeinigkeit
    Ganz wie auf Du und Du.

    Wie war der Winter doch so lang,
    Wie knapp ward da das Heu;
    Frau Urschel rief und seufzte bang:
    O komm, du schöner Mai!

    Komm schnell und lindre unsre Not,
    Der du die Krippe füllst;
    Wenn ich und meine Kuh erst tot,
    Dann komme, wann du willst.

    Wilhelm Busch

  2. 2 Pacaveli 24. Juli 2010 um 9:08 Uhr

    YEAHYEAHYEAH, das Gedicht hat das, was ich (persönlich) sonst immer bei dir ein bisschen vermisst habe, da ist einfach nen richtig geiler „Flow“ drin irgendwie. Fetzt.

    So oder so, du wirst deinen weg gehen, eine Frage der Zeit.

    Peace

    Basti

  3. 3 Pacaveli 24. Juli 2010 um 9:13 Uhr

    Aso, was ich dich außerdem fragen wollte: Wie managt du deinen Twitter-Account, ich gehe mal davon aus, dass du nicht alle 2000 Leute, denen du folgst, per Handy rausgesucht hast, also wahrscheinlich nen Widget benutzt.

    Falls ja, dann wäre es interessant zu wissen welches, denn dann ist nämlich nen gutes, du hast wesentlich weniger englische Accounts dabei, als ich es habe…

  4. 4 Morph 25. Juli 2010 um 18:08 Uhr

    Also ich finde das Gedicht persönlich nicht so gut, wie den Rest deiner Gedichte.
    Sicherlich, der „Flow“ ist da, aber den haben deine anderen Gedichte auch!

  5. 5 Emil 25. Juli 2010 um 20:12 Uhr

    Interessant, dass hier die Meinungen so auseinander gehen.
    Vielleicht ist Pacevelis „Flow“ der Paarreim, den ich sonst nicht verwende. Ich selbst komme mit dem Paarreim nicht so gut zurecht (merkt man’s?), aber kenne einige gute Vertreter_innen dieser Form und weiß, wie schön sie sein kann. Ansonsten ist das Gedicht auch ein wenig alberner und metaphorischer als die anderen. Interessant. Ich freu mich natürlich auch über deine Kritik Morph und über Kritik im allgemeinen. Lob schmeichelt zwar die Seele, doch die Feder lässt es meist unberührt.

  6. 6 Simon Raposo 30. Juli 2010 um 14:59 Uhr

    Sehr sehr geil!
    Lustig, treffend, kritisch; schönes passendes Versmaß.. (Ich glaub ja, der ‚Flow‘ kommt von dem Jambus)
    Genau das richtige für ein Lächeln zwischendurch..!

    Thx für deinen Kommentar auf meinem Blog auch, hab dich auch in die Blogroll aufgenommen!

    Viele Grüße, Simon

  1. 1 Pacaveli´s Gedanken-Blog Trackback am 24. Juli 2010 um 10:43 Uhr

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