Archiv für Juli 2010

Kritik der Kuh

Auf einer grünen Weide lagen
Zwei Kühe ohne was zu sagen.
Sie kauten auf dem Gras herum
Und wirkten gar ein wenig dumm.
Ich sah sie Halme wiederkäuen;
Und wie sie sich darüber freuen.
Wie öde doch das Leben ist,
Wenn man den ganzen Tag nur frisst.
Ich stellte mich an die Umzäunung
Und sah der Kühe kecke Bräunung.
Die kommt nicht von dem Sonnenbad,
Weil Kuh sie von Natur aus hat.
Ich rief: „Warum ist eure Färbung
Nicht lila, so wie in der Werbung.
Dann wärt ihr nicht so monoton,
Wie all die andren Wesen schon.“
Da wandte sich mit großer Mühe
Der Kopf von einer dieser Kühe
Zu mir – entspannt, weil grad erst wach –
Und öffnete das Maul und sprach:
„Vertraue nicht der ganzen Scheiße
Der Industrie: Nie gab’s Beweise,
Dass Kühe jemals lila sind.
Das weiß doch wirklich jedes Kind.“
Ich reagierte: „Das zu glauben,
Das kann ich mir doch nicht erlauben.
Und außerdem kommt der Bericht
Von einer Kuh, die auch noch spricht.
Man wird mich für verrückt erklären
Und mir dadurch das Wort verwehren
Und letztlich glaubt mir eh kein Schwein…“
- „Doch! Schweine können gläubig sein.“

Für Erich Mühsam

Dein wilder, ungestümer Bart,
Dein Blick durch’s Glas der Brille,
Erklärten deine Seele zart
Und deines Herzens Wille.

Du kämpftest mit und für Vernunft
Mit Liebe, Faust und Feder,
Für Arbeiterzusammenkunft
Und für den Stopp der Räder.

Nicht weniger als Menschlichkeit
Versuchtest du zu fördern.
In jener klagenswerten Zeit
Von Kriegstreibern und Mördern.

Du gingst fünf Jahre in den Knast
Für das, was du gesprochen.
Es hatte dich der Staat gefasst,
Doch lange nicht gebrochen.

Du warst als Jud’ und Anarchist,
Als Dichter und als Denker,
Das was den Nazis Abschaum ist.
So raubten dich die Henker.

Sie wollten deinen Suizid
Doch diesen Sieg, den gabest
Du ihnen nicht, bis du perfid
Durch ihre Taten starbest.

Unsterblich sind die Taten und
Das Wort in deinem Namen.
Sie nähren meinen jungen Grund
Als deiner Freiheit Samen.

Erich

Heute jährt sich zum 76. Mal der Tag an dem der Dichter und Anarchist Erich Mühsam von SS Leuten im KZ Oranienburg ermordet wurde. Nicht nur sinnbildlich fehlen mir Worte über diese Untat. Deshalb möchte ich mit einem Gedicht von Johannes R. Becher der Opfer des Faschismus gedenken. (mehr…)