Archiv für Mai 2010

Aristokratische Ironie

Die Exposition
Auf Gut „par Force“ herrscht schon seit Wochen
Die Freude auf den heut’gen Tag,
Denn Gutsherr Gromwill hat versprochen:
„Gemeinsam geht es bald auf Jagd“.
Das nämlich heißt für die Bagage,
egal ob Fürst, ob Diplomat,
ob Koch, ob Dienstmagd oder Page;
Und selbst das Proletariat,
Darf heute die Geflogenheiten
Des Herrn in ihrem vollen Zug,
Den Ländereien unterbreiten
Mit Waffe statt mit einem Pflug.

Die Sammlung
Drum sammelt sich zur frühen Stunde.
Im Hofe zu „Par Force“ der Mob.
Der Alkohol macht seine Runde,
Der Alkohol macht seinen Job.
Man säuft wie im gehob’nen Kreise
Den Wein, den Schnaps und auch das Bier
Man säuft sich Mut an für die Reise
Aus Angst vor Feigheit vor dem Tier.
Da tritt Herr Gromwill vor die Meute,
Nur kurz verstummt das frohe Fest,
Dann merken selbst die kleinen Leute,
auch dieser große Mann, der lässt
Sich heute überhaupt nicht lumpen,
Denn kaum, das er zum Volke spricht
Erhebt er seinen ersten Humpen;
Der letzte wird es sicher nicht.

Die Rüstung
Als erstes kommen die Soldaten
Und drücken jedem Mann vom Land
Statt Forke, Hammer oder Spaten
Gewehre in die grobe Hand.
Schon angetrunken trabt die Herde
Laut grölend Richtung Pferdestall
Für alle Säufer gibt es Pferde.
Und Säufer gibt’s hier überall.
Ein Bellen hört man in der Ferne,
Das große Hunderudel naht!
Denn Jäger haben Hunde gerne
Zur Jagd in ihrer Gegenwart.

Die Verfolgung
Sie reiten; Hund bei Fuß; die Büchse
Geschultert, Herzen voller Brunst.
Zur Jagd vereint, um rote Füchse
Zu töten: Mord ist ihre Kunst.
Im Walde angekommen sehen
Die ersten Jäger Füchse schnell,
In einer Schneise sorglos stehen.
Schon tobt ein Hund mit viel Gebell
Und Hass im Rudel in die Richtung. -
Es folgt des Jägers bleiernes Schrot.
Jetzt liegt in dieser leeren Lichtung
Das erste Opfer, mausetot.
Doch seine Kameraden schaffen
Die Flucht vor ihren Feinden noch.
Und fliehen, dass sie sie nicht raffen
Zu einem nahen Fuchsbauloch.

Die Zuspitzung
Den Welpen und der flinken Füchsin
Gelingt die Flucht zum Bau sofort.
Dem Fuchs verwehren Herrn mit Büchsen
Die Zuflucht an den sich’ren Ort.
Der Abendhimmel färbt sich rot, er
verschwindet; gleich entscheidet sich
Ist er ein Freier oder Toter,
der seinem Schicksal knapp entwich.
Herr Gromwill dessen Hass gebändigt
War, flucht und ordnet lautstark an,
dass diese Jagd nun rasch beendigt
wird, ohne dass er flüchten kann.
Vom Hasse angepeitscht da schießen
Die Trunkenbolde wild drauf los.
Sie wollen heute Blut vergießen.
Und Blutdurst macht gewissenlos.

Die Ironie
Gewirr entsteht; von Wut geleitet
Beschleunigt Gromwill seinen Ritt.
Der Schuss wird sorgsam vorbereitet,
Sein Ziel hält nicht den Pferden Schritt.
Es knallt und Gromwill fällt vom Rosse.
Und Blut quillt aus dem teuren Nerz:
Der Jägermänner Schrotgeschosse
Durchbohrten im Gewirr sein Herz.
Die Hunde sind trainiert aufs Beißen
Und stürzen sich mit großer Lust
Auf diesen toten Leib und reißen
Das warme Herz aus seiner Brust.
Um ihn herum steht sehr betroffen
Die Meute ohne Rat und Tat.

Der Vorhang zu, die Frage offen:
Ja, war das Ende adäquat?

Anmerkung: „Schade, scheiße, kann schon mal passier´n,
dass man sein Herz an den Falschen verliert.“ (Funny van Dannen)

Principium exclusi tertii

[Wird überarbeitet]

Anmerkung: „Der Vogel kämpft sich aus dem Ei. Das Ei ist die Welt. Wer geboren werden will, muss eine Welt zerstören.“ (Hesse)