Menschen, wie sie jeder kennt

Der Mensch von dem ich heute schreib’
War mit der Welt versöhnlich.
Er blieb in seinem Zeitvertreib
Bescheiden und gewöhnlich.

Man lehrte ihn als kleines Kind,
Das Schreiben und das Lesen
Und das die Welt, wie er sie find’
Schon immer so gewesen.

So wurde er ein Untertan
Gehorsam und gefügig
Und folgte jedem fremden Plan
Präzis, devot und zügig.

Er ging mit Fleiß der Arbeit nach:
12 Stunden sind gewichen.
Die nächsten 12 ins Schlafgemach,
So ist die Zeit verstrichen.

Er wollte nicht, dass es sich jetzt
Das Wandelbare wandelt.
Er hielt den Zustand für gesetzt
Und hat ihn so behandelt.

Er tat was er für richtig hielt,
Doch alles was er wollte,
Hat Lebtags darauf abgezielt
Zu sein, wie es auch sollte.

Verhielt er sich auch immer ganz
Gemäß der Etikette
So schwand ihm langsam die Substanz
Und ließ ihm nur die Silhouette.

Die Rolle, er zu spielen hat,
Die spielte er ergeben.
So könnte auch an seiner statt
Ein Ding sein Leben leben.

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3 Antworten auf „Menschen, wie sie jeder kennt“


  1. 1 Morph 23. Februar 2010 um 13:04 Uhr

    Zutreffende Pointe. :-) Das Gedicht und deine Reime gefallen mir.

    Hat mich ein wenig an ein älteres Gedicht von mir, welches voller holperiger Reime daherkommt, erinnert.
    http://gofreak.blogsport.de/2009/06/10/der-moderne-sklave/

  2. 2 Morph 26. Februar 2010 um 1:20 Uhr

    Ich hab dir unter deinen Kommentar, den du unter mein Gedicht „Der moderne Sklave“, geschrieben hast, Folgendes geschrieben (damit du nicht lange suchen brauchst:

    Es ist schon sehr krass, wie beide sich ähneln. :D Schön, wie du es treffend auf den Punkt gebracht hast.

    Ich wünsche dir das selbe: Glück und Freiheit!
    Hansmoe

  3. 3 Emil 02. Mai 2010 um 12:10 Uhr

    Ich habe das Gedicht um die jetzige 2. und 3. Strophe ergänzt.

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