Archiv für Februar 2010

Menschen, wie sie jeder kennt

Der Mensch von dem ich heute schreib’
War mit der Welt versöhnlich.
Er blieb in seinem Zeitvertreib
Bescheiden und gewöhnlich.

Man lehrte ihn als kleines Kind,
Das Schreiben und das Lesen
Und das die Welt, wie er sie find’
Schon immer so gewesen.

So wurde er ein Untertan
Gehorsam und gefügig
Und folgte jedem fremden Plan
Präzis, devot und zügig.

Er ging mit Fleiß der Arbeit nach:
12 Stunden sind gewichen.
Die nächsten 12 ins Schlafgemach,
So ist die Zeit verstrichen.

Er wollte nicht, dass es sich jetzt
Das Wandelbare wandelt.
Er hielt den Zustand für gesetzt
Und hat ihn so behandelt.

Er tat was er für richtig hielt,
Doch alles was er wollte,
Hat Lebtags darauf abgezielt
Zu sein, wie es auch sollte.

Verhielt er sich auch immer ganz
Gemäß der Etikette
So schwand ihm langsam die Substanz
Und ließ ihm nur die Silhouette.

Die Rolle, er zu spielen hat,
Die spielte er ergeben.
So könnte auch an seiner statt
Ein Ding sein Leben leben.

Winter adé

Wenn ich in die Tage schaue
Trübt nur eins die Heiterkeit:
Immer dieses elend graue
Wetter, wenn es dauernd schneit.

Jede der vier Jahreszeiten
Hat natürlich ihren Sinn
Doch für’n Winter sind bei Weitem
Wenig’ Sympathien drin.

Nummer eins, was ich bemängel’
Ist, wenn ich nach draußen geh’
Bei den Menschen nur gegängel-
Te Gesichter statt der Schlitten seh‘.

Nummer zwei ist das verdammte
Eis, das mich fast tierisch stresst.
Splitt, sowie vom Schnee verschlammte
Straßen übernehm’ den Rest.

Nummer drei ist, das die Meisten
Depri von dem Winter sind
Und sich nur noch Hänger leisten
Und ich kein’ zum Feiern find’.

Lieber Winter, es genügt mir,
Mach’ mal Urlaub, nicht zu knapp,
Dass der Frühling sehr vergnügt, hier
Diese Arbeit dir nimmt ab.

Anmerkung: Dieses Gedicht ist meine Alternativversion von diesem Gedicht.

Bedienungsanleitung: Über die Funktionsweise der Maschine

Widersinnig strömen Dämpfe
Ins Gehäuse dieser Zeit,
Führen mit den Kolben Kämpfe
trotz der Aussichtslosigkeit.

Sie kennt keine Randfiguren,
Denn sie wirkt zentripetal.
Notfalls fügt sich den Strukturen
Jede Windung auch brutal.

Schmiere, Fett und heiße Öle,
- funktionale Konsequenz –,
Schmeicheln der gequälten Seele
Eines jeden Instruments.

Alles dient dem einen Zwecke,
Wegen dem sie existiert.
Ihre Fehler, alle Lecke
haben sie stets optimiert.

Jede autonome Regung,
letztlich eine Dysfunktion.
Zielgerichtet gilt Bewegung
Der aparten Produktion.

Virtuose Räderwerke
Greifen fließend Zahn in Zahn.
Kleinster Nenner ihrer Stärke
Ist das Rad, ihr Untertan.