Archiv für September 2009

Der Faktor Mensch – Ein Klagelied

Mensch, wie soll ich’s formulieren? -
Gäb’s den Faktor „Menschheit“ nicht,
Würd’ das Wachstum explodieren
Und die Wirtschaft würd’ florieren,
Doch der Mensch wahrt sein Gesicht.

Wenn man folglich nur erwäge,
Dass die Menschen Körper sind
Und die Körper nun mal träge
Und das Streben eine Schräge,
Dann versteht das jedes Kind.

Faul verschlafen sie fast täglich;
Morgens sind die Tage lang!
Fleiß und Hoffen scheitern kläglich,
Manche sind gar unbeweglich,
Meisterlich im Müßiggang.

Andre sind derweil am Schuften:
Morgens, mittags, in der Nacht.
Ihrer Arbeit Früchte duften,
Doch sie sitzen in vermufften
Löchern, die sie selbst gemacht.

Selbst wenn man sich ganz verschriebe
Der sakralen Konkurrenz,
Stürb’ die Menschheit ohne Liebe,
Denn die reziproken Triebe
Sichern unsre Existenz.

Zu dem neoliberalen
Irrwitz und den Idealen,
Denen man laut Lieder singt,
Für die teuer wir bezahlen,
Taugt die Menschheit nur bedingt. (mehr…)

An das Stimmvieh

Drei, vier Jahre musst du warten,
Dann bist du ein Kreuzchen lang
Einer ihrer Demokraten,
Zeugnis gibt dein Urnengang.

Und du kannst dich frei entscheiden
Zwischen SPD, Union.
Manchmal kriegst du gleich die beiden,
Das Ergebnis kennst du schon.

Doch du sagst mit deiner Stimme
Hast du trotzdem eine Wahl.
Drum wählst du das minder schlimme
Übel, doch das ist fatal.

Denn du wählst, die dich beherrschen,
Ganz gleich wo dein Kreuz hinfällt.
Deine Stimme gilt den Ärschen,
Den Verwaltern dieser Welt.

Weil es liegt im stets bequemen
Wesen einer jeden Wahl:
Wandel gilt nicht den Systemen,
Höchstens ihrem Personal.

Keine Wahl wird dich befreien
Von der Mehrheitsdiktatur,
Von dem Staat und den Parteien,
Und der Machtapparatur.

Herrschaft und das volle Leben
Sind sich ewig unvertraut.
Nicht abgeben, nein erheben
Sollst du deine Stimme laut.

Folge nicht der Herde Kälber
In den Abgrund blind, devot.
Wenn du wählst, dann wähl’ dich selber,
Wähl’ das Leben, nicht den Tod!

Anmerkung: „Jeder Wähler erkennt mit der Ausübung seines Rechts dieses Prinzips [der Wahl] ausdrücklich an, das Prinzip der Berechtigung des Mehrheitswillens, das einzelne, selbständige Individuum zu unterdrücken, es den Beschlüssen der Majorität der aus der Majorisierung der Minoritäten hervorgegangenen Körperschaften gefügig zu machen, aus jeder Persönlichkeit eine Nummer im Gesamtbetriebe und aus jeder autonomen Regung eine Gefahr für das demokratische Ganze herzustellen.“ (Erich Mühsam)