Impressionen einer Reise

Ich sitze grad im Zugabteil,
Beobachte die Leute.
Der Zug kam etwas später, weil
Ein ICE noch heute
Berlin und das in großer Eil
Um acht Uhr muss erreichen.
Mein Zug, der reist im Gegenteil,
Drum musste er ihm weichen.

Mein Zug fährt Richtung Osnabrück;
Hier sieht man keinen hoffen.
Ein Kind genießt sein kleines Glück,
Noch ist die Welt ihm offen.
Es findet ihrer nur ein Stück.
Es wird hier nicht verweilen.
Der Zug dagegen fährt zurück,
Er brauch’ sich nicht beeilen.

Von draußen tönt der Fahrtenlärm,
Der Schnee schmilzt auf den Schienen.
Die Kinder wüssten alles gern,
Doch wer erklärt es ihnen?
Die erste Klasse sieht grad Fern,
Die Zweite hört man husten.
Das Kind weiß nichts von Knecht und Herrn.
Es kennt nur Wunden pusten.

Die Ankunft: Es erreicht der Zug
Den Bahnhof wenig später.
Es ähnelt einem Zeitbetrug;
Man kennt noch keinen Täter.
Die Alten schnattern nur Unfug,
Das Kind, man sieht es schweigen.
Die Wahrheit ist nicht mehr en vogue!
Wem wird sie sich noch zeigen?

Anmerkung: Selbst langweilige Reisen können wahlweise mit – konsequent – geschlossenen oder geöffneten Augen, interessant sein.

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1 Antwort auf „Impressionen einer Reise“


  1. 1 ChrisToph 01. April 2009 um 16:08 Uhr

    “Mein Zug fährt Richtung Osnabrück;
    Hier sieht man keinen hoffen.”

    Versteh ich nicht ;) Finde des Thema sehr interessant, mach mir auf meinen Zugfahrten ja auch so meine Gedanken. Trotzdem gefällt mir das Gedicht nicht so gut wie deine anderen :/ Weiß gar nicht woran es liegt, aber die einleitenden Sätze zur 1. und 2. Strophe passen mir irgendwie nicht^^
    Gut finde ich das mit dem “Knecht und Herrn” und das mit dem “Kind”, weniger gut die letzte Strophe. Irgendwas stimmt da einfach nicht ;)

    Ansonsten hast du aber recht: Zugfahrten können ganz witzig sein, die meiste Zeit sind sie aber nur überflüssig*gg*

    Gruß

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