Archiv für März 2009

Impressionen einer Reise

Ich sitze grad im Zugabteil,
Beobachte die Leute.
Der Zug kam etwas später, weil
Ein ICE noch heute
Berlin und das in großer Eil
Um acht Uhr muss erreichen.
Mein Zug, der reist im Gegenteil,
Drum musste er ihm weichen.

Mein Zug fährt Richtung Osnabrück;
Hier sieht man keinen hoffen.
Ein Kind genießt sein kleines Glück,
Noch ist die Welt ihm offen.
Es findet ihrer nur ein Stück.
Es wird hier nicht verweilen.
Der Zug dagegen fährt zurück,
Er brauch’ sich nicht beeilen.

Von draußen tönt der Fahrtenlärm,
Der Schnee schmilzt auf den Schienen.
Die Kinder wüssten alles gern,
Doch wer erklärt es ihnen?
Die erste Klasse sieht grad Fern,
Die Zweite hört man husten.
Das Kind weiß nichts von Knecht und Herrn.
Es kennt nur Wunden pusten.

Die Ankunft: Es erreicht der Zug
Den Bahnhof wenig später.
Es ähnelt einem Zeitbetrug;
Man kennt noch keinen Täter.
Die Alten schnattern nur Unfug,
Das Kind, man sieht es schweigen.
Die Wahrheit ist nicht mehr en vogue!
Wem wird sie sich noch zeigen?

Anmerkung: Selbst langweilige Reisen können wahlweise mit – konsequent – geschlossenen oder geöffneten Augen, interessant sein.

Ein Märchen ohne beabsichtigte Allegorie

Gewitter kommen in der Regel
Den Kronloyalen ungelegen.
Da staksen diese armen Flegel
Meist unbeholfen durch den Regen.

Der Schirm ist tief hinab gezogen,
So schützt er sein Gesicht vor Nässe.
Dadurch hat er sich selbst betrogen:
Verdeckt wird die galante Blässe.

Auch sehen kann er denkbar wenig,
Er läuft nicht, nein, er irrt herum!
Und träfe er auf einen König,
Verdammt, er lief ihn einfach um!