Ein süffisanter Jahresrückblick 2011

Januar:
Der Russe stand im Januar
Gefährlich nahe und der Grund:
Gesine Lötzsch nahm’s Wort mit K
In ihren frevelhaften Mund.

Februar:
In Afrika, der Facebooknutzer,
Rebellisch macht‘ er sich an Werk. -
In Deutschland war er Stiefelputzer
Und kämpfte für zu Guttenberg.

März:
Bis März war alles gut, dann raubte
Ein Super GAU uns jedes Glück.
Denn es geschah, was keiner glaubte
Herr Guttenberg trat doch zurück.

April:
Die Welt erschien verdammt, zerrissen
Doch die Versöhnung kam nicht „late“.
Wir wiegten uns in Sofakissen
Symbolisch mit William und Kate

Mai:
Im Mai wurd‘ Präsident Obama
Dem Friedensnobelpreis gerecht:
Auf sein Geheiß starb Herr Osama
Und schwups, die Welt war nicht mehr schlecht.

Juni:
Der Juni brauchte neue Schurken,
Denn Feindschaft schafft Identität.
Drum wurden Sprossen oder Gurken
Zur Ablenkung als Feind erspäht.

Juli:
Der Terror kam zurück und Trauer
Ergriff direkt den deutschen Mob.
Denn Breiviks Augen warn zu blau, er
War auch zu blond für diesen Job.

August:
In London frönten junge Leute,
Was sie das Kapital gelehrt:
Konsum, Gewalt und fette Beute
Und wurden dafür eingesperrt.

September:
Der Autokrat erhielt Beschwerden:
Sein Handeln hat uns nicht verzückt.
Vertrat er jedoch Gott auf Erden
Warn Hunderttausend schwer beglückt.

Oktober:
Oktober und die Welt schien friedlich,
Kein Hass, kein Krieg, kein Staatsbankett.
Doch weshalb schien es so gemütlich?
- Ich hatte bloß kein Internet!

November:
Mit Abbe, Goethe, Zeiss und Schiller
Beschmückt sich Jena allgemein.
Dann störten plötzlich Nazikiller
Drum rockte man das Image rein.

Dezember:
Steve Jobs verließ die Fans für immer,
Auch Loriot ward totenstill.
Und dann – als ging es nicht noch schlimmer -
Verließ uns auch noch Kim Jong Ill.

Anmerkung:
Hier findet ihr die Jahresrückblicke von 2008, 2009 und 2010.

Drei Jahre

„Und sind meine Worte sarkastisch und voll lauten Lachens – schaut unter die Maske, und ihr werdet den grimmen Ernst erkennen, der die Feder führt. Ob Anklagen oder Glossen, ob Peitschenhiebe oder Nadelstiche – jeder Satz soll ein Ringen sein nach Befreiung, ein Weckruf und ein Gelübde, daß ich’s nicht mehr schleppen will.“ (Erich Mühsam: Nolo)

Nachdem ich schon im letzten Dezember die ersten zwei Jahre habe Revue passieren lassen und ich diese Reflexion interessant und wichtig fand, möchte ich nun auch zum dritten Geburtstag von Halbstark wieder zurückblicken. Ein paar Gedichte erneut hervorrufen, die meiner Meinung nach zu Unrecht wenig Aufmerksamkeit erfahren haben, vielleicht einen roten Faden finden und letztlich schauen, wohin dieser in die Zukunft weist. (mehr…)

Und sie rocken für Deutschland – beide

Für eine bunte Republik Deutschland“, so der Titel des Musikfestivals, „rockte“ die Stadt Jena spontan, aufgrund der Morde des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU). Nicht unweit von Jena, in Gera, findet seit Jahren das Festival „Rock für Deutschland“ statt. Allerdings wird dieses von Neonazis und der NPD organisiert. (mehr…)

Sonett von der Empfindsamkeit

Du, der durch lange Fiebernächte
Mit Wahnsinn und mit Zweifel ringt;
Dem krank und traurig nichts gelingt
Was Menschen Glück und Frieden brächte.

Der lieber heute noch als Morgen
Mit einem letzen Todesschuss,
Voll Pathos sich in Hochgenuss
Entledigt aller seiner Sorgen.

Lass ab von deinen Todesplänen,
Zu viele starben deren Leid
In Menschen hätte Licht entfacht.

Und weine tapfer deine Tränen.
Es lebe die Empfindsamkeit,
Die Menschen erst zu Menschen macht.
(mehr…)

Die Zukunft einer Illusion

Wo Kummer, Leid und Elend droht,
Erscheint ein Leben nach dem Tod
Als wahres Prachtgetriebe:
In Gottes fernem Himmelreich
Sind alle Menschen frei und gleich
Und was sie eint ist Liebe.

Ach Kritiker, seid mir nicht bös’
Ich wünscht’ oft, ich wär’ religiös
Und könnte mich vertrösten.
Das aber ist mir nicht vergönnt,
Kein Himmel hängt am Firmament,
Als Zuflucht der Erlösten.

Kein Gott bewohnt das Himmelszelt
Und zieht den Menschen von der Welt
Direkt in seine Sphäre.
Das Leben endet und man stirbt.
Das Himmelreich, um das man wirbt,
Ist lediglich Chimäre.

Solang’ der Traum am Himmel klebt
Und jeder mit der Hoffnung lebt,
Dass er dort wirklich werde,
Solang’ bleibt Freiheit unerprobt
Und, ja verdammt, solange tobt
Die Hölle auf der Erde.
(mehr…)